SPD Ortsverein Huchting-Grolland

Wir trauern um Moritz Thape

Aktuelle Meldung

 

Mit 97 noch engagierter Wahlkämpfer

Der SPD-Ortsverein Huchting-Grolland trauert um Moritz Thape, der gestern im Alter von 99 Jahren verstorben ist. "Gerade habe wir noch im Vorstand überlegt, wie wir ihn zu seinem 100. Geburtstag im Februar ehren wollen", so Ortsvereins-Vorsitzender Sükrü Senkal. "Und dann diese Nachricht. Wir sind traurig und denken an seine Angehörigen, ihnen gilt unser Mitgefühl."

 

 

 

 

Moritz Thape stammte aus einer entschieden sozialdemokratischen Familie, die schon zu Bismarcks Zeiten unter den Sozialistengesetzen verfolgt wurde. Sein Vater verweigerte im Ersten Weltkrieg den Kriegsdienst und emigrierte in die Schweiz. Während der Nazi-Herrschaft wurde der Journalist zunächst entlassen und musste mehrere Jahre im KZ Buchenwald verbringen. Sohn Moritz trat politisch wie beruflich in seine Fußstapfen, als Redakteur beim „Volksblatt“, einer SPD-Zeitung in der sowjetischen Besatzungszone, und 1946 in der Landesredaktion des „Neuen Deutschland“ für Sachsen-Anhalt. Doch bald war Ernst und Moritz Thape klar:  „Wir hatten kein echtes Wirkungsfeld, sondern trugen nur die Mitverantwortung für das, was passierte.“ Vater und Sohn flüchteten gemeinsam in den Westen. 

In der Bundesrepublik arbeitete Moritz Thape weiter als Journalist, war aber auch entschlossen politisch tätig. „Erst war ich als Rechter verschrien, weil ich bei der Diskussion um das Godesberger Programm ein Bekenntnis zur Landesverteidigung verlangte. Später war ich ein Linker, weil ich mich von der Politik Herbert Wehners distanzierte", so Thape 1965 in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit.

In Bremen wurde Moritz Thape 1959 Abgeordneter der Bürgerschaft und gehörte 20 Jahre lang der Landesregierung an - unter anderem als Senator für Bildung und als stellvertretender Präsident des Senats. Mit seinen Vorstellungen von einer Bildungspolitik, die in die Schulen investiert und das Schulsystem für alle Kinder durchlässiger macht, war Moritz seiner Zeit weit voraus. Über die aktuelle Situation der SPD auf Landes- und Bundesebene konnte er sich so richtig aufregen. Er nahm kein Blatt vor den Mund, kritisierte Politikverdrossenheit und Ungerechtigkeit und verabscheute persönlichen Eitelkeiten in der Politik. Für seine Jubilarehrung 2015  - für sage und schreibe 70 Jahre Mitgliedschaft ! - wollten wir einen prominenten Gast einladen, doch Moritz meinte: "Wieso, Sükrü ist doch mein Ortsvereins-Vorsitzender, er soll mir die Urkunde übergeben, ohne grosses Tamtam."

Wir, die SPD in Huchting und Grolland, werden Moritz vermissen und sein Andenken in Ehren halten. Er war kürzlich noch auf unserer Mitgliederversammlung, wo er sich stets engagiert zu Wort meldete. Wehmütig erinnert sich Sükrü Senkal:  "Wenn Moritz mal eine MV versäumte, dann hat er sich stets bei mir abgemeldet. Das muss man sich mal vorstellen! Da war er noch von altem sozialdemokratischen Schrot und Korn. Ein vorbildlicher Genosse, wie er im Buche steht."

Moritz, wir werden Dich sehr vermissen!